Wellenreiten: Drohnenfoto von der Atlantikküste

Surftravel in Coronazeiten

News Tipps

Wie sieht die Surfsituation aktuell aus? Surferstimmen eingefangen von rund um der Welt...

Benny Held – Azoren

„Mein letzter Trip ging auf die Azoren, um genau zu sein nach São Miguel. Ich besuche diese Insel jetzt schon seit circa 8 Jahren regelmäßig und es ist für mich in vielerlei Hinsicht einer der magischsten Orte, an dem ich je war.

Aufgrund der allgemeinen Situation, inklusive unaufhörlichem Lockdown, habe ich mich gegen den Rat der Bundesregierung, nicht in den Süden Europas zu reisen, entschieden und mich kurz nach Weihnachten mit einem negativem PCR-Testergebnis und allen nötigen Reisedokumenten aus dem (deutschen) Staub gemacht. Neujahrs-Zelebrierung mit Freunden im Klub, war ja sowieso nur Wunschdenken.

Auf São Miguel angekommen, wurden die angegeben Reisedaten auf ihre Richtigkeit, sowie der PCR-Test auf seine Gültigkeit geprüft, bevor man den Flughafen verlassen durfte. Nach dem sechsten Tag wurde ein zweiter Test angekündigt und nach dem zwölften ein dritter. Um so richtig auf Nummer sicher zu gehen.

Aus dem Flieger direkt hinein ins (halbwegs) normale Leben. Lunch im Beachgrill nebenan, Dinner mit Freunden in Town und zum Abschluss Drinks in einer Bar. Ja…richtig gelesen, einer Bar. Es fühlte sich surreal an, in einer Lokalität mit Leuten an einem Tisch zu sitzen, da wie wir alle wissen, solche Art von Happenings in Deutschland bedauerlicherweise seit Monaten nicht mehr stattfinden.

Jetzt könnte die/der ein oder andere womöglich denken, höchst unverantwortlich, wie kann man in einem Land, das als Risikogebiet gilt, einen geregelten Ablauf anbieten und durchführen?

Ganz einfach! Auch dort gibt es die allgemeine Maskenpflicht, diverse Auflagen für Betreiber und dazu ausgearbeitete Hygienekonzepte. Gekürzte Öffnungszeiten für Läden und

Restaurants, sowie Sperrstunden (von 20 Uhr abends bis 5 Uhr morgens) für alle Bewohner. Die Azoren sind eine autonome Region und somit nicht an die Richtlinien des portugiesischen Festlandes gebunden. Niedrigen Infektionszahlen und wenigen Todesfällen sei Dank, konnten sogar Schulen, Kitas und Sportvereine unter gewissen Auflagen ihren Betrieb überwiegend fortführen und genau so kann und muss meiner Meinung nach ein halbwegs normales Leben an solchen Orten wie beispielsweise den Azoren stattfinden. 

Trotz ein paar Corona-Spielregeln hatte ich einen ziemlich sicken Trip mit entspannten Menschen, schönem Wetter und guten Vibes. Ach, und übrigens… es hat auch noch wochenlang durch gefeuert. Ein Swell hat den nächsten abgelöst. WAHNSINN.“

Jasper Schmidt – Frankreich

„Sofern man derzeit nach Frankreich einreisen will braucht man zunächst einen Negativen-Test. Im kompletten November 2020 gab es einen ordentlichen Lockdown. Das heißt, jeder musste zu Hause bleiben und Besorgungen auf ein absolutes Minimum beschränken. Es gab einen 1 km Radius, der auch für Sportler galt! Man durfte also nur zum nächsten Supermarkt und natürlich zum Arzt, wenn nötig. Man durfte niemanden Treffen außer die Personen im eigenen Haushalt.

Auch wenn das sehr hart gewesen ist, hat es sehr viel gebracht! Jetzt ist es, den Umständen entsprechend, sehr entspannt und ähnlich wie in Deutschland. Maskenpflicht herrscht auf den Straßen der Städte, in den „Centre Ville“ als auch beim Einkaufen. Desinfektionsspender gehören auch in Frankreich zum Standard in den geöffneten Geschäften.  Restaurants, Bars, Museen und Kinos sind bis auf weiteres geschlossen. Restaurants und Bistros bieten einen Take-Away Service an. Man soll Kontakte auf ein absolutes Minimum reduzieren – maximal darf man sich derzeit mit 6 Personen treffen. 

Der Unterschied zu Deutschland liegt bei einer Ausgangssperre am Abend. Seit dem 16. Januar 2021 gilt eine landesweite Ausgangssperre von 18 Uhr. Das Surfen ist erlaubt, leider darf man nur maximal 3 Stunden am Stück im Wasser sein. ;-) Der Bewegungsradius in Corona-Hotspots, also Großstädten, liegt derzeit bei 15 Kilometer. In ländlichen Regionen wird das nicht allzu genau kontrolliert.“

Als Surfer sind wir mehr oder weniger aufs Reisen angewiesen. Zumindest diejenigen unter uns, die keinen direkten Zugang zum Meer haben. Selbst Surfer, die täglich surfen können, sehnen sich nach dem nächsten Surftrip. Wer tauscht nicht gerne hin und wieder den Local Beachbreak gegen tropische Barrels und Neoprenpelle gegen Boardshorts ein. Da die Möglichkeiten auf gute Wellen hierzulande begrenzt sind, ist es kein Wunder, dass wir deutschen uns zu einer Surftravel Nation entwickelt haben und das man uns fast täglich an den Surf-Hotspots dieser Welt antrifft. Mit den aktuellen Reisebeschränkungen sitzen viele von uns auf dem trockenen. Geschlossene Grenzen, lange Quarantäne, teure Flüge und der moralische Aspekt, ob man momentan überhaupt reisen sollte, sind nur einige Gründe, die einen Momentan vom reisen abhalten könnten oder es schwieriger machen als wir es gewöhnt sind. Wer dennoch nicht auf gute Wellen verzichten möchte, der kann also entweder seinen Wohnsitz ins Ausland verlegen oder seine Reisepläne und -ziele den Momentanen Umständen anpassen. Wir haben uns mit einigen deutschen Surfern unterhalten, die genau das gemacht haben und nach ihren Surf-Travel-Erfahrungen während der Pandemie gefragt.

Jonte Burmeister – Dänemark

„Thy in Norddänemark, war schon immer ein super Ziel für ein kurzen Wochenendtrip. Entspannte Einreise, nette Leute, hin und wieder gute Wellen und ein kurzes Rauskommen aus dem Alltag waren garantiert. Ich bin häufig jedes Wochenende oben gewesen, um an den lokalen Contest teilzunehmen, oder einfach nur aufs Wasser zu kommen. Durch den ersten Lockdown im März 2020 war die Einreise nach Dänemark, nicht mehr möglich. Zu meinem Bedauern sind auch die Contests ausgefallen.  Als im Juni die Grenzen wieder aufgemacht haben, ging auch nach einer kurzen Sommerpause, pünktlich zum Herbstswell, die Contestsaison wieder normal weiter. Dänemark schien fast eine kleine Corona Oase zu sein, wo weder Abstand, Maske oder irgendwelche anderen Hygienemaßnahmen eine große Rolle spielten. Corona wirkte eher wie ein Fremdwort, denn die Zahlen waren überschaubar und man brauchte keine wirklichen Sorgen zu haben. Nach dem Eintreffen der kälteren Jahreszeit konnte man jeden Tag zusehen, wie auch die Infektionszahlen immer höher stiegen. Jeder wusste, dass jedes Mal Dänemark, auch das letzte Mal in diesem Jahr sein könnte. Kaum war der letzte Tourstop vorbei, bei dem alles noch normal funktionierte, wurden plötzlich die Grenzen für Touristen geschlossen. Als dann auch noch eine Mutation entdeckt wurde, war es erstmal vorbei damit jedes Wochenende eine Auszeit von dem Corona Stress in Deutschland zu bekommen. Wir haben große Hoffnung, dass wir bald wieder die dänischen Wellen genießen können.“ 

Finn Springborn – Costa Rica

„Nachdem ich meine Reisen im gesamten letzten Jahr auf Europa beschränkt und meinen Wohnsitz nach Dänemark verlegt habe, wo ich die meiste Zeit des Winters verbrachte, war es mal wieder an der Zeit in die Wärme zu fliegen. Obwohl der Winter in Dänemark überdurchschnittlich gut war und ein Swell den nächsten jagte und ich fast täglich surfen konnte zerren die Minusgrade irgendwann an deinen Kräften. Leider entschloss sich Indonesien, genau als ich los wollte dazu keine E-Visas, die man zum Einreisen währen der Pandemie braucht, mehr auszustellen.

Ich schaute mich nach Alternativen um und um möglichst Stressfrei und ohne Quarantäne ans Ziel zu kommen entschied ich mich für Costa Rica. Entspannte Einreisebedingungen gepaart mit tropischen Temperaturen und  warmem Wasser hörte sich einfach zu verlockend an, um weiter in der Kälte auszuharren.

Was sich zunächst nach einer entspannten Reise à la „pre-covid-zeiten“ anhörte, entwickelte sich zu einer logistischen Meisterleistung. Zwei Tage, nachdem der Flug gebucht war wurde schon der erste gecancelt. Damit meine separat gebuchten Inlandsflüge nicht verfallen entschied ich mich dazu einen Tag früher zu fliegen. Also nochmal alles Umbuchen, Corona Tests, Transport und und und.

Wenige Tage später stand ich um 5 Uhr morgens am Hamburger Airport, denn wer über Amsterdam fliegt, der braucht zusätzlich zum Negativen PCR-Test noch einen Schnelltest vor Abflug. Von Amsterdam aus ging es weiter nach Panama City und nach einem endlos langen Aufenthalt in der Global Panama Lounge, welche ihren $40 Lounge Pass absolut nicht wert ist, saß ich endlich im Flieger nach San Jose. Dort wurde noch schnell gecheckt ob meine Auslandskrankenversicherung alle möglichen Covid-Maßnahmen abdeckt und dann konnte ich mir endlich völlig übermüdet und gerädert, von der langen Reise, einen Platz in der Abflughalle suchen, an dem ich etwas die Augen zumachen konnte. Denn am nächsten Morgen wartete noch der 25-minütige Inlandsflug auf mich.

So schön und interessant der Flug in der kleinen zehn Personen Maschine Richtung Tambor auch ist, kann ich ihn nur denjenigen von euch empfehlen, die nicht mit mehr als einem Board reisen, da die Local Airlines ordentlich in eure Taschen greifen für jedes Board, dass ihr extra dabei habt. $90 später saß ich dann aber schließlich im Flieger und genoss die Aussicht über den Costa-ricanischen Djungel. Ich bin nun seit gut einer Woche hier und bin heilfroh, dass ich mich dazu entschieden habe hier her zu kommen. Neben der absoluten Schönheit, die das Land zu bieten hat, lebt man hier wie in einer kleinen Bubble, in der Corona nicht existiert.“

Marco Teichner – Fuerteventura

„Ich wohne auf den Kanaren, genauer gesagt auf Fuerteventura. Hier ist es im Vergleich zu anderen Orten auf der Welt echt entspannt. Derzeit gibt es nicht wirklich viele Einschränkungen. Es gibt zwar eine nächtliche Ausgangssperre von 23 bis 6 Uhr morgens aber dafür sind Restaurants, Kinos, Parks und andere Öffentliche Einrichtungen weiterhin geöffnet. Auch im Wasser ist es momentan echt entspannt. Es sind deutlich weniger Touristen hier und das merkt man als Surfer vorallem an den leeren und ruhigen Line Ups.

Ich bin jetzt schon seit Oktober durchgehend hier und so langsam neigt sich der Winter dem Ende zu, aber rückblickend hatten wir eine wahnsinnig gute Saison. Es gab super viele perfekte Tage und von kleinen entspannten Wellen bis hin zu großen Barrels war alles dabei, so dass ich meine Zeit hier richtig gut zum Trainieren nutzen konnte. Leider sind viele Contests, an denen ich normalerweise teilgenommen hätte, dieses Jahr ausgefallen. Dennoch wurde es hier nie langweilig. Lange Surf Sessions an meinem Homespot Lobos und regelmäßige Gymsessions standen bei mir auf dem Tagesprogramm.“                               

Surfcamps in den Gebieten

Hol Dir jetzt direkt die erste Ausgabe vom Printmagazin und Dein Wellenreiten Shirt!

Wellenreiten Print Mag #2 & Kollektion!