Wellenreiten auch in Deutschland

Surfen in Deutschland – Bestandsaufnahme

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Es gibt wohl kaum einen Surfer hierzulande, der für die Wahl seines Hobbys oder seinem Lebensstil fragende Blicke von Fremden oder sogar Freunden und Familien-Angehörigen geerntet hat...

Surfen in Deutschland – Bestandsaufnahme

Es gibt wohl kaum einen Surfer hierzulande, der für die Wahl seines Hobbys oder seinem Lebensstil fragende Blicke von Fremden oder sogar Freunden und Familien-Angehörigen geerntet hat. Was in Ländern wie Australien schon fast selbstverständlich ist, gilt in Deutschland noch immer als äußerst exotisch und alles andere als normal.

Obwohl Surfen in Deutschland noch immer als Nischensportart betrachtet werden kann, ist es unbestreitbar, dass der Weltweite Surf-Boom auch an der Bunderepublik nicht vorbeigezogen ist. Früher wurde man am Strand noch häufig gefragt, wo man denn das Segel zu seinem Board gelassen hätte, heute ist Surfen angesagter denn je und mittlerweile hat eigentlich jeder die Möglichkeit, den „Sport der Könige“ wenigstens einmal auszuprobieren. Es ist also höchste Zeit sich einmal anzugucken, wo in Deutschland gesurft wird und was sich in der Szene momentan national und international tut.

Um zu erkennen, dass Deutschland nicht grade ideal gelegen ist, um qualitativ hochwertige Wellen zu produzieren, braucht es keinen Profi. Lediglich die heimische Nord- und Ostseeküste bieten sich als Surfreviere an sollte man meinen. Doch der Schein trügt. Deutschland bietet mittlerweile eine große Bandbreite an Surfmöglichkeiten und ist das Zuhause einer verstreuten, aber großen und florierenden Surfszene.

Bereits 1953 taten die Sylter Rettungsschwimmer ihre ersten Surfversuche auf den 50 kilo schweren Rettungsbrettern am Strand von Westerland und legten damit den Grundstein für das Wellenreiten in Deutschland. Kaum zu glauben, dass der Sport im Europäischen Surf-Mekka Frankreich ungefähr zur selben Zeit entdeckt wurde.

Einige Jahre später wurde der Surf Club Sylt gegründet, der sich noch immer für den Sport auf der kleinen Nordsee-Insel, die mittlerweile das ganze Jahr über Touristen anzieht, einsetzt und diesen mächtig vorantreibt. Kein Wunder, dass die Zahl an Surfern auf der Insel stetig steigt. Außerdem veranstaltet der Surf Club Sylt jährlich Contests für Mitglieder und Tage, an denen die Kids spielerisch Surfen lernen und ausprobieren können. Weil Sylt als Geburtsort des Wellenreitens in Deutschland gilt, ist es auch kein Wunder, dass einige der besten heimischen Surfer von der Friesischen Insel stammen. Wegen der guten Bahnanbindung ist Sylt heutzutage eines der beliebtesten Daytrip- und Wochenendziele für alle Surfer aus Schleswig-Holstein und Hamburg.

Natürlich ist der 40 km lange Sandstrand von Sylt nicht die einzige Möglichkeit sich in Deutschland nass zu machen. Auch auf Norderney gibt es eine kleine, aber feine Surfszene, die sich im Vergleich mit den Syltern aber eher bedeckt hält.

Schaut man auf die andere Seite, an die Ostseeküste, findet man eine Vielzahl von Surfern, die allesamt auf die paar Tage im Jahr warten, an denen Starker Wind ein paar surfbare Wellen an ihre Heimatstrände schiebt. Diese Tage sind allerdings wirklich so selten, dass man sie meistens an seinen eigenen Händen und Füßen abzählen kann. Und die Wellen ähneln dann eher den Tagen eines Surftrips, an denen man sich lieber nochmal im Bett umdreht. Trotzdem wird es an guten Tagen richtig voll an einigen Ostseespots. So kann es schon mal vorkommen, dass man an den bekannten Spots wie Damp, Weissenhaus oder Timmendorf mit gut 50 Leuten im Wasser sitzt. Natürlich ist es immer etwas besonderes an seinem Home-Spot raus zu paddeln oder ein paar Wellen in Heimatnähe zu surfen, aber seien wir mal ehrlich, die guten Tage sind vergleichsweise zu anderen Surf Destinationen sehr rar.

Wo Wellen alles andere als eine Seltenheit sind, ist der Süden Deutschlands. Mittlerweile kennt man ihn auf der ganzen Welt - den Eisbach. Er ist wohl der konstanteste Surf Spot der Welt, denn die stehende Welle, inmitten der Stadt München, läuft 24 Stunden am Tag, 7 Tage die Woche. Kein Wunder, das Deutschland das Epizentrum der Rapid Surf Szene ist. Deutsche Rapid Surfer zählen zu den besten der Welt und setzten Regelmäßig den Maßstab für das, was auf einer stehenden Welle im Rahmen des machbaren liegt. Zudem räumen sie regelmäßig die Podiumsplätze bei internationalen Rapid Surf Contests ab. Der Eisbach ist bei weitem nicht mehr die einzige stehende Welle hierzulande. Auch in anderen Teilen Deutschlands werden regelmäßig neue Spots entdeckt oder künstliche stehende Wellen erbaut. Neue Wellenprojekte gibt es wie Sand am Meer, so dass es wohl nicht mehr lange dauern wird, bis jeder deutsche Surfer einen Surf Spot direkt vor der Nase hat. 

Seitdem im Dezember 2016 die Entscheidung fiel, dass Surfen in die Olympischen Spiele aufgenommen wird, hat sich auch beim Deutschen Wellenreitverband (DWV) und der deutschen Nationalmannschaft so einiges getan. Es wurde unermüdlich darauf hingearbeitet das Team, bestehend aus Talenten aus der ganzen Welt, bestens auf Tokyo 2020 vorzubereiten und zu trainieren. Dementsprechend hoch war die Enttäuschung als die Olympischen Spiele auf Grund von Corona auf dieses Jahr verschoben werden mussten. Die Athleten bekommen finanzielle Unterstützung vom Bund, damit sie so viel wie möglich Reisen und Trainieren können und zudem arbeitet der DWV mit einem ganzen „Team hinter dem Team“, bestehend aus Trainern, Performance Consultant, Sportpsychologen und Ärzten, um den Erfolg der 13 Athleten des Perspektivkaders zu sichern. Der nächste Schritt für die Jungs und Mädels auf dem Weg zur Olympiaqualifikation sind die ISA World Surfing Games in El Salvador, die im Mai stattfinden. Hier haben die Deutschen eine letzte Chance, sich einen der begehrten Qualifikationsplätze für Tokyo zu sichern.

Insgesamt ist deutsches Surfen also in besten Händen und Deutschland ist auf einem guten Weg eine respektierte Surfnation zu werden. Etwas anders als die bekannteren Surfszenen dieser Welt, aber was uns an qualitativ hochwertigen Wellen fehlt machen wir durch Kreativität, Vielfalt und Ingenieurskunst wieder weg.

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