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Jonte und Pelle - Die Hamburger Supergroms

Interviews

Wir stellen euch die nächste Generation von deutschen Surfern vor. Heute: Jonte und Pelle aus Hamburg.

Wer regelmäßig an der Nord- und Ostsee aufs Wasser geht, der hat sie vielleicht schon mal gesehen: Das Geschwisterduo Jonte und Pelle Burmeister. Die beiden Blondschöpfe aus Hamburg lassen nämlich keine Gelegenheit aus, um aufs Wasser zu kommen. Da beide noch zur Schule gehen und nicht das ganze Jahr über reisen können, haben sie die Wellen in Heimatnähe zu ihrem Haupt Trainingsground gemacht. Bläst der Wind aus Osten, dann rutschen die beiden nervös auf der Schulbank hin und her und warten auf das ertönen der Klingel, um es noch rechtzeitig zur After-School-Session an die Ostsee zu schaffen und wenn sich fürs Wochenende eine gute Vorhersage für Dänemark ankündigt, dann sind Jonte und Pelle die ersten, die Freitagmittag vom Schulhof rollen. Die beiden zählen schon jetzt zu den besten Surfern „made in Germany“, was sie regelmäßig in Lokalen Contests beweisen. Grund genug, sich mit den Brüdern auf einen (Zoom-)Schnack zu treffen und euch die beiden einmal vorzustellen.

Hey Jonte und Pelle, Stellt euch unseren Lesern doch einmal kurz vor!

 

Jonte: Ja, Moin! Ich bin 18 Jahre alt und stecke grade mitten im Abi-Stress. Daher bin ich grade in Hamburg und deswegen komme ich momentan nicht so viel aufs Wasser. Aber ich gönne mir demnächst eine kleine Auszeit auf den Kanaren, wo mein Bruder Pelle grade ist. Die restliche Zeit hole ich dann nach, wenn ich mit den Klausuren durch bin.

 

Pelle: Jo, klar gerne. Also ich bin 15 Jahre alt und befinde mich grade, wie Jonte schon erwähnt hat, auf den Kanaren. Genauer gesagt auf Fuerte. Ich habe das Glück, dass ich grade nur Online Schule habe und da ich erst in der 9. Klasse bin ist der Stressfaktor noch nicht ganz so da. Deshalb kann ich mich grade fast ausschließlich aufs Surfen konzentrieren.

 

Wie seid ihr denn überhaupt zum Surfen gekommen und seit wann surft ihr beide eigentlich schon?

 

Jonte und Pelle: Der Grund dafür, dass wir mit dem Surfen angefangen haben ist unser Vater, Kai. Er war schon immer Wassersport verrückt und hatte früher sogar seine eigene Windsurfschule an der Ostsee. Als Jonte so zwei, drei Jahre alt war entdeckte unser Papa das Wellenreiten für sich und war fortan nur noch Surfen. Ungefähr ein bis zwei Jahre später entstanden auch schon die ersten Surfbilder von Jonte, wie er mit Schwimmflügeln auf dem Brett liegt. Bei Pelle war das ähnlich. Als jüngerer Bruder war er natürlich auch immer dabei.

Natürlich gab es Jahre, in denen wir mal mehr oder weniger Lust auf Surfen hatten. Als Kind hat man natürlich nicht denselben drive etwas zu lernen oder gut in etwas zu werden. Aber als Jonte 13 wurde und Pelle 11 ließ uns das Surf Fieber nicht mehr los und seitdem sind wir eigentlich ständig auf und am Meer.

 

Wo wart ihr denn schon überall auf der Welt surfen?

 

Jonte und Pelle: Natürlich an unzählige Spots an Nord- und Ostsee in Deutschland, Dänemark und Holland, da es für uns am nähesten dran ist. Aber auch die meisten Teile der Europäischen Atlantikküste haben wir schon abgeklappert. Außerdem sind wir fast jedes Jahr auf den Kanaren und letztes Jahr waren wir in Marokko. 2017 waren wir noch für einige Monate in Indo, Neuseeland und Australien, wo wir dann auch zur Schule gegangen sind.

 

Inwiefern unterstützt und pusht eure Familie euch, bei dem was ihr macht und denkt ihr, ihr würdet genauso viel surfen, wenn ihr nicht aus einer „Surf-Familie“ kommen würdet?

 

Jonte und Pelle: Surfen war bei uns schon immer ein Familiending und dementsprechend haben unsere Eltern auch jeden Urlaub darauf ausgerichtet, dass wir so viel wie möglich ins Wasser kommen. Grade, weil man ja bei uns zuhause nicht immer die Möglichkeit hat surfen zu gehen und auch mal lange „auf dem trockenen“ sitzt. Dementsprechend hoch ist dann natürlich auch die Motivation, wenn man endlich wieder an einem Ort mit konstanten Wellen ist. Dadurch haben uns unsere Eltern schon eine Menge ermöglicht, was Trips und Zeit im Wasser angeht. Das merkt man vor allem in Zeiten, an denen man wirklich mal länger am Meer ist, wie damals in Australien oder Pelle auf Fuerte Ventura momentan. Die Kids in unserem Alter, die an solchen Orten aufwachsen und gute Bedingungen vor der Haustür haben sind oft nicht so motiviert wie wir.

 

Wie sieht es denn mit Brüderlicher Rivalität aus? Pusht ihr euch auch gegenseitig?

 

Jonte: Definitiv! Vorallem in Contests. Jetzt wo ich nicht mehr bei den Junioren teilnehme und Pelle auch in der Open Class startet, ist es eigentlich meine größte Angst gegen Pelle zu verlieren. Das müsste ich mir dann wahrscheinlich ewig anhören hahaha.

 

Pelle: Das ist auch der einzige Grund, warum ich in der Open Klasse starte. Ne, Spaß beiseite! Auch in Freesurf-Sessions pushen wir uns gegenseitig. Wir sind es einfach gewohnt immer jemanden zum Surfen zu haben und dann geht man auch schon mal bei Bedingungen raus, an denen man es sich zweimal überlegen würde, wenn man alleine wäre.

 

Es gibt ja wirklich nur eine Handvoll Surfer in Norddeutschland, die regelmäßig an Competitions teilnehmen. Wie seid ihr überhaupt dazu gekommen Contests zu surfen?

 

Jonte und Pelle: Eigentlich fing das alles in unserer Zeit in Australien an. Als wir damals für ein halbes Jahr mit unseren Eltern dort waren und in Brunswick, New South Wales, zur Schule gegangen sind. Der Local Surf Club veranstaltet regelmäßig Competitions, bei denen es eher darum ging, eine coole gemeinsame Zeit zu haben anstatt die anderen zu Schlagen. Das Highlight war das gemeinsame BBQ am Ende des Tages. Als wir wieder in Deutschland waren haben wir uns dann einfach mal umgehört was für Contests es hier so gibt und seitdem nehmen wir regelmäßig an den Stopps der dänischen Surftour und der Deutschen Meisterschaft in Sürdfrankreich teil, wo das Level mittlerweile schon echt hoch ist!

 

Wie sieht euer Alltag in Hamburg aus, wenn ihr grade nicht irgendwo am Meer seid und wie haltet ihr euch fit, wenn ihr mal längere Zeit nicht ins Wasser kommt?

 

Jonte: Es gibt immer wieder Zeiträume, in denen wir weit vom Meer entfernt in Hamburg festsitzen, gerade in Zeiten von Corona, wo die Grenzen nach Dänemark geschlossen sind. Natürlich spielt auch in diesen Zeiten Surfen und alles drum herum eine wichtige Rolle. Das wichtigste ist die Fitness für den nächsten Surftrip. Dazu gehört ein festes Trainingsprogram, das möglichst breit aufgestellt ist. Es beinhaltet Schwimmeinheiten, Beweglichkeits-, Kraft- und Ausdauertraining und immer wieder Skaten, um dem Surfgefühl nahe zu kommen. Kommen wir nach Hamburg zurück, beginnt im Grunde genommen schon wieder die Planung für den nächsten Trip. Durch den intensiven Natursport fühlt man sich auch automatisch der Natur verbunden. Im frühen Alter ist uns beim Reisen beispielsweise in Indonesien klar geworden, wie verschmutzt unsere Umwelt ist und das hat uns motiviert, unseren Alltag möglichst klimaneutral zu gestallten. Wir fahren die meisten Strecken mit dem Fahrrad, gestallten unseren Haushalt möglichst Plastik frei, setzen auf nachhaltige Produkte, bauen einen Teil unseres eigenen Gemüses an und probieren an den Orten, wo wir sind, Müllsammelaktionen zu organisieren. Schon immer haben wir viel Zeit in unserem ausgebauten Bus verbracht, wodurch der Gedanke des Minimalismus in unserem Leben eine wichtige Rolle spielt. Die Liebe zu diesem Lebensstil hat mich sogar dazu gebracht, mein eigenes Tinyhouse im Garten zu bauen, in dem ich das ganze Jahr über wohne.  So wichtig uns das Surfen, Reisen und im Bus leben auch ist, so haben wir doch auch ein großes Interesse daran unsere Schule gut abzuschließen und damit diesen Lebensstil so weiterführen zu können.

 

Ist es für euch noch immer etwas Besonderes, als Surfer aus Deutschland zu kommen oder wird das eurer Meinung nach schon als vollkommen normal betrachtet?

 

Pelle: Natürlich gibt es auch in Deutschland immer mehr Surfer, aber bei uns an der Schule bekommt man dafür eher noch komische Blicke oder Sprüche, anstatt es das es als „Normal“ angesehen wird. Jonte und ich sind aber auch noch die einzigen auf unserer Schule, die Surfen und in Zukunft wird sich das sicherlich auch ändern.

 

 Abschließend würden wir natürlich gerne wissen, was bei euch als nächstes ansteht und wo ihr euch in der Zukunft seht?

 

Jonte: Mir ist es einfach nur wichtig so viel wie möglich zu surfen und das Coole daran ist, dass man dadurch so viele schöne Orte auf der ganzen Welt sieht und kennenlernt. Außerdem reist man nicht einfach so in der Welt herum, sondern man hat immer einen Antrieb und eine Bestimmung, wenn man surft. So weit in die Zukunft habe ich allerdings noch nicht geplant, erstmal ist es mir wichtig mein Abi fertig zu bekommen und dann auf reisen zu gehen. Ich finde aber das Thema Nachhaltigkeit super spannend und könnte mir vorstellen damit einmal was zu machen.

 

Pelle: In meinem Alter plant man ja noch nicht so wirklich für die Zukunft, daher weiß ich nicht so recht wo es mich mal hin verschlägt. Aber natürlich habe auch ich mir ein paar Ziele gesteckt, die ich in den nächsten Jahren erreichen möchte. Zum Beispiel möchte ich in ein paar Jahren mal einen Sieg in der Open Class bei der dänischen Surftour eintüten und bei der DM ins Finale kommen. Aber am wichtigsten ist es mir auch so viel wie möglich zu surfen und den Spaß daran nicht zu verlieren.

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