Surf-Wissen

InhaltÜber das Meer und die Wellen

Über das Meer und die Wellen

Das Meer ist ständig in Veränderung und sieht zu jeder Tageszeit anders aus. Über den Erfolg deiner Surf-Session entscheidet nicht nur die richtige Spot-Auswahl, das passende Equipment und die Qualität der Welle. Es ist außerdem hilfreich und wichtig die Basics über Wetterkunde, Wellenentstehung und die verschiedenen Bedingungen zu kennen.

Wie entstehen Wellen?

Wellen entstehen durch Wind, der über das Meer bläst. Die dadurch entstehende Energie sortiert sich in gleichmäßig aufeinanderfolgende Wogen, die man Dünung oder Swell nennt. Diese Swells wandern über die Ozeane. Kommen Swells in flache Gewässer, wird die Energie nach oben gedrückt, die Schwerkraft lässt sie vornüberfallen und sie brechen als Wellen.

Swells

Ein solider Swell kann bis zu 1000 km pro Tag zurücklegen. Größere Wellen wandern schneller und überholen die kleinen Wellen. Sie übernehmen deren Energie und lösen sie gleichzeitig auf. Es entstehen Sets als Wellengruppen und Set-Pausen als Ruhephasen. 

Je weiter ein Swell wandert, desto sauberer wird er. Der Abstand vom Scheitelpunkt einer Welle zur anderen wird in Sekunden gemessen. Das ist die Periodenzahl in der Wellenvorhersage. Ist die Periode klein, deutet das auf einen weniger weit gewanderten Swell mit weniger Energie. Ist die Periode groß, ist der Swell sauber und kräftig. 

Wenn Swells vom offenen Ozean in die Nähe der Küste kommen, werden sie von vielen Faktoren beeinflusst: der Meerestiefe in Küstennähe, den lokalen Gezeiten, Strömungen, Wind und vor allem den letzten Metern des Untergrundes, bevor sie brechen.

Wellenbrechung

Trifft die Dünung auf die Küste, wird sie vom Untergrund abgebremst. Die Wellen schieben sich enger zusammen und bauen sich immer höher auf. Das sind die Sets, nach denen wir im Line Up Ausschau halten. Die Wasserteilchen am Meeresgrund wurden mittlerweile so stark abgebremst, dass die oberen, ungebremsten Teilchen nach vorne kippen. Die Welle bricht.

Strömungen

Bricht eine Welle, gerät Wasser in Bewegung. Bewegtes Wasser ist Strömung. Mit der Wellenbrechung verläuft die Strömung beispielsweise an einem Beachbreak über die Sandbank in Richtung Ufer. Wenn der erste Wellenschub nachlässt, fängt das Wasser an, seitlich von der Sandbank in die tieferen Strömungsgraben abzufließen. Diese nennt man Channels. Die Seitenströmung kann einen schnell in den Channel und aufs offene Meer hinaus ziehen. Daher ist es besonders wichtig, auf Strömungen und Channels zu achten. 

Verschiedenen Wellentypen, Brechungsarten & Untergründe

Wellentypen & Brechungsarten

Je nach Tide kann ein Surfspot radikal oder weniger radikal laufen. Genauso verhält es sich mit On- und Offshore, dem auf- und ablandigen Wind. Der auflandige Wind schiebt Weißwasser ins Wellental.

Offshore verzögert die Wellenbrechung. Die Welle will brechen, der ablandige Wind hält aber dagegen. Dadurch baut sich die Welle immer weiter auf. Irgendwann muss sich die Energie aber entladen und schmeißt die Wellenlippe nach vorn. Offshore-Wellen brechen meist hohl und schnell. Solche Bedingungen sind ideal zum Tube-Riding.

Die beliebtesten Bedingungen sind Glassy-Wellen. Ist es windstill, liegt das Meer still da und scheint mit dem Horizont zu verschmelzen. Wie aus dem Nichts bauen sich Wellengruppen aus mehreren perfekten, glatten Wellen auf.

Grüne Wellen

Als grüne Welle bezeichnet man eine Welle, die noch nicht gebrochen ist. Eine ungebrochene Welle zu Surfen, ist das Ziel für jeden Surfanfänger. Erst, wenn der Take-off im Weißwasser gelingt, geht es schließlich ins Line Up zu den ungebrochenen Wellen.

Weißwasserwellen

Weißwasserwellen oder Weißwasserwalzen sind gebrochene Wellen. Nachdem eine Welle bricht, entsteht weißer Wellenschaum. Im Weißwasser lernst du die ersten Schritte beim Wellenreiten. Weißwasserwellen haben meist viel Power und nehmen dich ohne viel Paddel-Technik mit.  

Shore Break

So werden Wellen genannt, die direkt auf den Strand, eine Sandbank oder in sehr flaches Wasser brechen. Diese Wellen sind meist hohl und besonders kraftvoll. Den Shore Break zu surfen ist sehr schwer und gefährlich, da die gesamte Kraft der Welle gegen den Untergrund gerichtet ist.

Tube

Eine Tube - oder auch Barrel genannt - ist eine schnelle, teils hohle Welle. Sie entsteht, wenn sich eine Welle überschlägt und die Lippe auf die Wasseroberfläche bricht. Dabei entsteht ein Tunnel (Röhre) mit einer Öffnung zu einer Seite, aus der man mit genügend Geschwindigkeit hindurchfahren kann. Für viele Surfer ist der Barrel- oder Tube-Ride das ultimative Surf-Erlebnis.  

Close Out

Close Out bezeichnet eine Welle, die gleichzeitig auf ihrer gesamten Länge bricht. Wenn das der Fall ist, kann sie in keine Richtung abgesurft werden.

Reformer

Reformer nennt man eine gebrochene Welle, die sich im weiteren Verlauf neu aufbaut und erneut bricht.

Double Ups

Von einem Double Up spricht man, wenn zwei Wellen zu Einer verschmelzen. Meist kombinieren die Wellen ihre Energie und eine besonders starke und oft hohle Welle entsteht. Steile, hohl brechende Double Ups bieten oft sehr gute Barrel-Möglichkeiten.

Stehende Welle

Stehende Wellen sind Wellen, die sich nicht bewegen, sondern durch Strömungen entstehen. Es gibt echte stehende Wellen, die in Flüssen entstehen und künstliche Wellen. Der wohl bekannteste River-Spot in Deutschland ist die Eisbachwelle in München. Künstliche Wellen kommen mittlerweile in den verschiedensten Formen vor und ermöglichen das Surfen in der Stadt.

Surfreviere & Untergründe

Beachbreak

Der optimale Surfspot für Anfänger ist ein Beachbreak. Die Wellen brechen auf sandigem Boden und der Untergrund weist keine Gefahren auf. Da es sich auf sandigem Boden außerdem angenehmer läuft, als auf felsigem Untergrund, zählt der Beachbreak zum freundlichsten Surfspot.

Da die Wellen nicht immer exakt an derselben Stelle brechen, nennt man Beachbreaks auch Multi Peak oder Shifting Peak. Surf-Anfänger bekommen beim Wellenreiten mehr Wellen ab, ohne direkt am Main Peak sitzen zu müssen. Dadurch wird auch der Kampf um die Vorfahrt und die nächste Welle mit anderen Surfern erspart.

Beachbreaks geraten allerdings oft außer Kontrolle, sobald die Dünung groß wird. Große Wellen bringen viel Wasser in Bewegung und eine kräftigere Strömung entsteht. Die Wellen brechen dann vor allem closed out. Das bedeutet, dass Wellen auf der vollen Breite gleichzeitig umschlagen und dadurch nicht mehr surfbar sind. Brechen Closed Outs über mehrere Sandbänke, inklusive der dazwischen liegenden Channels hinweg, wird das Rauspaddeln schwierig bis unmöglich. Schaffst du es hindurch, musst du die richtigen Wellen mit offen laufenden Schultern auswählen.

Reefbreak

An einem Reefbreak musst du auf jeden Fall die richtige Tide beachten. Bei niedrigen Gezeitenständen können einige Riffe richtig gefährlich werden, da sie trocken laufen. Das kann das Wellenreiten mitunter lebensgefährlich machen.

Am Peak - dem Punkt, an dem die Wellen brechen - sitzen die erfahrenen Surfer und schnappen sich die besten Wellen des Sets. Wenn du zurückhaltend auf der Wellenschulter sitzt, musst du dich meist gedulden, bis du eine Welle abbekommst. Die Wellen selbst sind recht einfach zu Surfen. Sie brechen organisierter und sind dadurch berechenbarer.

Reefbreaks eignen sich für Surfer, die grüne Wellen sicher surfen und vor allem auf die Wellenschulter lenken können. Auf einem Riff kommst du dem felsigen Untergrund schnell gefährlich nahe.

Pointbreak

Pointbreaks produzieren lange, sauber brechende Wellenschultern und funktionieren auch bei großen Swells. Wenn die Dünung an der Küste auf eine Landzuge trifft, brechen die Wellen an genau diesem Punkt. Bei optimalem Untergrund drehen sich die Wellen um den Punkt und laufen schräg zur Küste in die Bucht hinein, die hinter dem Point liegt. Pointbreaks sind am beliebtesten und daher oft recht crowded.

Wetterkunde, Wind & Gezeiten

Wetterkunde

In einem Tiefdruckgebiet herrschen kräftige Winde. Diese Windenergie wird ins Meer übertragen und lässt Wellen entstehen. Zieht ein Tiefdruckgebiet über einen Surfspot hinweg, entstehen größere Wellen. Die Wellenqualität ist wegen des kräftigen Windes aber eher mäßig. Am Surfspot erhöht Hochdruckeinfluss und wenig Wind die Wellenqualität. Die perfekte Wetterkonstellation ist also, wenn weit draußen auf dem Meer ein Tiefdruckgebiet zur Wellenproduktion, und vor Ort Hochdruck und wenig Wind herrscht.

On- und Offshore

In einer stabilen Hochdrucklage entstehen vor Ort thermische Winde. Tagsüber erwärmt sich das Land mehr als die See, und wir bekommen Onshore - also auflandigen Wind. Nachts kühlt das Land stark ab, wodurch das Meer wieder wärmer wird. Die Luftzirkulation kippt um und es herrscht Offshore - ablandiger Wind. So weht morgens häufig ein leichter Offshore, der gegen Mittag in Onshore umschlägt. Abends lässt der Onshore wieder nach, und kurz vor Sonnenuntergang setzt manchmal wieder Offshore ein.

Low Tide

Bei Low Tide sind Strömungen kräftiger als bei Hochwasser und die Outside bricht radikal. Auf der Inside laufen Schaumwalzen und du kannst entspannter auf die Sandbank laufen.

Mid Tide

Bei Mid Tide herrscht die größte Veränderung und die Bedingungen ändern sich deutlich. Bei Mid to Low Tide werden Strömungen immer kräftiger. Bei Mid to High Tide lassen Strömungen eher nach und der Shorebreak kann entstehen.

High Tide

Bei High Tide bricht die Outside je nach Wellengröße sanfter und Strömungen lassen nach. Auch auf die Inside brechen jetzt größere und kräftigere Wellen. Unter die Weißwasserwellen mischen sich auch kleine grüne Wellen und Wellen, die sich wieder neu formen.

Wellenvorhersage & Surf Forecast

Surf Forecast richtig lesen

Ein Surf Forecast gibt dir Aufschluss über viele Faktoren, die deinen Surf beeinflussen. Ihn zu lesen und richtig zu interpretieren kann allerdings eine kleine Wissenschaft für sich sein. Hast du es einmal raus, wird dir ein Surf Forecast dein Leben aber deutlich vereinfachen.

Dank der Wellenvorhersage kannst du zumindest grob abschätzen, ob es sich lohnt, früh aufzustehen und den Surf zu checken. 100 Prozent genau ist ein Surf Forecast allerdings nicht. Du erkennst jedoch Tendenzen, ob es nächste Woche ordentlich feuert oder Flat Days anstehen. Für die Wellenqualität sind vor allem Swellrichtung, Swellgröße und Periode entscheidend. Diese drei Faktoren spielen beim Lesen eines Surf Forecasts also eine entscheidende Rolle.

Grundvoraussetzung

Bevor du einen Surf Forecast richtig interpretieren kannst, solltest du den jeweiligen Spot und die Rahmenbedingungen vor Ort kennen. Dabei ist es hilfreich, dass du den besten Gezeitenstand des Spots und die geografische Ausrichtung kennst.

Anhand der Lage kannst du ableiten, aus welcher Richtung der Swell kommen sollte, damit Wellen im idealen Winkel auf die Küste treffen. Außerdem lässt sich durch die Lage des Spots bestimmen, aus welcher Richtung der Wind blasen sollte. Warst du zuvor noch nie an dem Spot und kennst dich noch nicht aus, findest du diese Infos auch in verschiedenen Spotguides im Internet.

Swellrichtung

Die Swellrichtung gibt die Richtung an, aus welcher der Swell auf den Surfspot trifft. Damit die Wellen am Spot ankommen, muss die Swellrichtung mit der Ausrichtung des Surfspots zusammenpassen. Passen die beiden Faktoren nicht zusammen, sind die Wellen deutlich kleiner, als an umliegenden Spots mit passender Ausrichtung, oder es ist komplett flach.

Swellgröße

Die Swellgröße gibt an, wie stark der Sturm auf dem offenen Meer war. Je stärker der Sturm, desto größer der Swell und die Wellen, die an Land treffen. Die Swellgröße bestimmt allerdings nicht gleich die Wellengröße am Surfspot. Wie groß die Wellen am Surfspot dann wirklich sind, hängt auch von der Swellrichtung, den Sandbänken und der Tide ab.

Periode

Ein Swell, der schon eine weite Strecke zurückgelegt hat, hat eine größere Periode. Der Abstand zwischen den Wellen ist größer, du hast mehr Zeit und die Wellen sind geordneter, kraftvoller und schneller. Eine große Periode wirkt sich außerdem positiv auf die Größe der Wellen aus.

Liegt direkt vor der Küste ein Tiefdruckgebiet, hat sich der Swell erst wenig sortiert. Dann treffen Wellen in unterschiedlicher Größe und in kurzen Abständen auf die Küste. Die Periode ist klein und es gibt kaum Pausen zwischen der Sets. Das macht das Rauspaddeln schwieriger.

Die Periode gibt also an, wie viele Sekunden zwischen zwei Setwellen liegen. Bei einer Periode bis 9 Sekunden spricht man von einem Windswell, der nicht weit von der Küste entsteht. Alles darüber bezeichnet man als Groundswell. Groundswell entsteht weit draußen auf dem offenen Ozean und hat eine lange Reise hinter sich, wenn er auf die Küste trifft. Unter einer Periode von 7 Sekunden kann es ungemütlich werden. Windswell muss aber nicht unbedingt schlecht sein und kann bei den richtigen Bedingungen auch richtig gute Wellen liefern.

Wellenbemessung & Wellengröße

Wellen werden in Fuß oder Metern gemessen. 1 Fuß sind gute 30 Zentimeter - 3 Fuß demnach fast 1 Meter. Sagt die Wellenvorhersage 1 Meter Swell voraus, baut sich die Welle, kurz bevor sie bricht, bis um das Doppelte auf. Das Face der Welle gibt somit die Brechungsgröße an.

Surf Forecasts berechnen die Wellengröße aus den einzelnen Parametern wie Periode, Swellgröße und -richtung. Die Angabe zur Wellengröße ist nur eine Schätzung und keine genaue Angabe. Bei einer größeren Periode kannst du auch von größeren Wellen ausgehen, als die Wellengröße der Vorhersage angibt.

Hilfreicher als eine genaue Meteranzahl ist es, dir die Wellen selbst genau anzusehen und das Verhältnis der Wellengröße zum Surfer zu beobachten. Headhigh, Overhead oder Doubleoverhead - bei Headhigh spricht man dann von etwa 1 Meter Swell und 2 Meter Brechungshöhe.

Windstärke & Windrichtung

Der Wind spielt bei der Qualität der Wellen eine große Rolle. Am Besten sind ablandiger Wind (Offshore) oder wenig bis kein Wind. Die Zahl im Surf Forecast zeigt die Windstärke in km/h an und die Pfeile geben die Windrichtung an. Haben die Pfeile in dem Surf Forecast, den du dir aussuchst, verschiedene Farben, zeigen diese die Bewertung des Windes an. Grün etwa steht für guten Wind (Offshore), rot für schlechten Wind (Onshore). Damit du weißt, welche Windrichtung für deinen Surfspot ideal ist, solltest du wissen, wie der Spot geographisch ausgerichtet ist.

Tide

Bei der Tide handelt es sich um die Gezeiten, also um Ebbe und Flut. Manche Spots funktionieren nur bei einer bestimmten Tide. Ein Reefbreak kann zum Beispiel bei High Tide zu flach brechen oder bei Low Tide zu seicht sein, so dass du dem Riff deutlich zu nahe kommst.

Websites & Anbieter

Für Surf Forecasts und Wellenvorhersagen gibt es eine große Auswahl an Websites und App-Anbietern. Zu den bekanntesten gehören Magicseaweed, Surfline, Surf-Forecast, Windguru und Glassy Surf Report. Jetzt heißt es Forecasts lesen, lernen und einen noch besseren Surf genießen!

Spotcheck: Strand und Wellen richtig lesen

Bevor du ins Wasser gehst, solltest du dich zunächst mit dem Surfspot vertraut machen. Durch den Spotcheck findest du heraus, was beim Wellenreiten auf dich zukommt. Nimm dir für unbekannte Spots immer etwas Zeit, so bekommst du auch ein Gefühl für die Sets. Je genauer du einen Surfspot vorab analysierst, desto geringer ist das Risiko von unangenehmen Überraschungen. Den Spotcheck kannst du super mit deinem Warm-Up verbinden.

Spotcheck:

  • Sind andere Surfer im Wasser?
  • Wo, wie und auf welchem Untergrund brechen die Wellen?
  • Wo ist das Line-Up? Ist im Line-Up viel los?
  • Wo verlaufen die Strömungen? Wo sind die Channels?
  • Wie groß sind die Wellen und passt die Wellengröße zu meinem Surf-Level?
  • Aus wie vielen Wellen besteht ein Set und wie lange dauern die Setpausen?
  • Wo liegen Gefahren, wie Felsen, im Wasser?
  • Wo ist der Ein- und Ausstieg?
  • Wie sind die Bedingungen (Wind, Tide)?

Wellen richtig lesen

Je größer die Wellen, desto länger solltest du sie vorab beobachten. Vergiss nicht, dass Wellen vom Ufer aus oft kleiner aussehen, als sie es tatsächlich sind. Beim Einschätzen der Wellengröße kannst du dich an der Körpergröße der Surfer im Line-Up orientieren.

Die Laufrichtung der Welle spielt eine große Rolle. Vor allem, wenn du bestimmte Surftricks und Manöver in eine Richtung ausüben willst. Die Richtung, in welche die gebrochene Welle läuft, entscheidet, ob du mit dem Gesicht (Frontside) oder mit dem Rücken (Backside) zur Welle surfst. Die Laufrichtung der Welle wird von der Peak - also dem Punkt, an dem sich die Welle zuerst überschlägt - in Richtung Land bestimmt. Bricht die Welle nach links, spricht man von einer Linken. Bricht sie nach Rechts, ist es eine Rechte. Bricht die Welle sowohl nach links als auch nach rechts, nennt man das A-Frame.

Auch die Form und Brechungsart der Welle entscheidet darüber, ob du eine Welle anpaddeln solltest oder nicht. Welche Art auf dich im Wasser wartet, kannst du bereits vom Strand aus beurteilen. Kracht die Welle hohl auf ein flaches Riff, solltest du bereits einiges an Erfahrung im Surfen mitbringen, um den Take-Off zu meistern und deine Manöver ausführen zu können. Schnelle, steile Wellen sind schwer zu Surfen und nichts für Anfänger. Bricht die Welle sanft von oben weg, sind sie für unerfahrene Surfer geeignet.

Line Up finden

Das Line Up bezeichnet den Platz im Wasser, an dem Surfer auf die ungebrochenen Wellen warten. Deine Position im Line Up ist entscheidend: Sitzt du zu weit draußen oder zu weit neben der Peak, kannst du lange auf eine Welle warten. Sitzt du zu nahe am Ufer, bekommst du die Wellen von oben statt von unten ab oder liegst anderen Surfern im Weg. Durch den Spotcheck kannst du schon vom Strand aus abschätzen, wo du dich im Line Up platzieren solltest.

Gefahren absuchen

Vor dem Wellenreiten solltest du den Surfspot nach möglichen Felsen und anderen Gefahren im Wasser absuchen. Außerdem ist es nie verkehrt, andere Surfer oder Einheimische nach Besonderheiten des Strandes abzufragen. Es schadet nicht, sich zu erkundigen, ob sich bei Low Tide gefährliche Riffe freisetzen oder an welcher Stelle du gefahrlos ein- und aussteigen kannst.

Channel erkennen

Am besten erkennst du einen Channel, wenn du dich vor deiner Surf-Session an den Strand setzt und in Ruhe das Meer beobachtest. Die Wellen brechen an der Sandbank, wo Schaumwalzen zum Ufer rollen. Links und rechts neben der Wellenbrechung liegt der Channel. Hier ist das Wasser tiefer, dunkler und meistens auch ruhiger. Im Channel brechen deutlich weniger Wellen als auf der Sandbank. Möchtest du ins Line Up, paddelst du im Channel raus. Willst du im Weißwasser bleiben, verlässt du das Wasser, kurz bevor du den Channel erreichst und läufst am Ufer zurück auf die Sandbank. Das ist um einiges kraftsparender, als im Wasser gegen die Strömung anzukämpfen.

Surfspots für Anfänger

Als Surf-Anfänger solltest du zu Beginn jemanden dabei haben, der sich mit dem Wellenlesen auskennt und dir hilft. An einem optimalen Surfspot für Anfänger kommst du problemlos und schnell ins Wasser, und wieder an Land. Am besten geeignet sind dafür weitläufige Sandstrände ohne Felsen. Die Wellen sollten nicht größer sein, als du selbst und sanft brechen. Steile Wellen sind für Surf-Anfänger schwer zu surfen und erfordern ein gutes Timing. Bei kleinen Wellen kannst du auch als Anfänger oft ins Line Up rauspaddeln. Wenn das Line Up allerdings bereits gut gefüllt ist, kann die Stimmung oft etwas ruppiger sein und Fehlverhalten wird manchmal nicht kommentarlos toleriert. Am besten holst du dir deine Routine in den grünen Wellen also an Tagen, an denen nicht zu viele Surfer im Line Up sind.

Gefahren & Strömungen beim Wellenreiten

Gefahren beim Surfen

Beim Wellenreiten werden die meisten Verletzungen durch das eigene Surfboard, Unfälle mit dem Board anderer Surfer oder durch den Aufprall am Meeresboden verursacht. Ein ausgiebiger Spotcheck sowie die Einhaltung der Verhaltens- und Vorfahrtsregeln haben beim Wellenreiten daher oberste Priorität! Surfen ist kein ungefährlicher Sport und es sollten noch weitere Gefahren berücksichtigt werden:

  • Strömungen
  • Andere Surfer, Schwimmer und Surf-Optionen wie Kayaks und SUPs
  • Küstenschutz, Wellenbrecher, Pier
  • Felsen, die aus dem Wasser ragen oder sich unter der Wasseroberfläche befinden
  • Kälte, die zur Erschöpfung beiträgt
  • Gezeiten, die den Charakter des Strandes ändern können, ohne dass du es merkst
  • Höhere und kräftigere Wellen vergrößern das Unfallrisiko, Strömungen werden stärker und Wellen halten Surfer länger unter Wasser
  • Reefbreaks, an denen die Wellen über einem Riff und nahe an Felsen brechen
  • Shorebreaks, wenn kraftvolle Wellen im flachen Wasser nah am Ufer brechen
  • Seeigel und andere Meerestiere

Am besten wählst du einen Spot, der nicht mit unendlich vielen Surfern überfüllt ist. Allerdings solltest du - bist du kein erfahrener Surfer - auch nicht komplett alleine an einem verlassenen Spot surfen. Nimm einen Freund mit, suche einen bewachten Strand oder lass zumindest jemanden wissen, dass du Wellenreiten bist und wo du dich befindest.

Strömungen

Strömungen sind beim Wellenreiten eine der größten Gefahren. Kennst du dich mit Strömungen aus, minderst du nicht nur die Gefahr, sondern kannst sie dir auch zu Nutze machen. Um für deine eigene Sicherheit zu sorgen und Kraft zu sparen, ist eine gute Kenntnis von Strömungen unerlässlich.

Eine Strömung ist Wasser in Bewegung. Als Unterscheidungsmerkmal kannst du die Strömungsrichtung heranziehen. Willst du raus aufs Meer, nutzt du Ablandige Strömungen. Querströmungen nutzt du, um parallel zum Ufer zu paddeln.  Zum Land hin nutzt du Auflandige Strömungen.

Entstehung der Strömungen

Strömungen entstehen nur da, wo sich Wasser bewegt. Wo Strömungen laufen, ist das Wasser in der Regel etwas tiefer. Bei Reef- und Pointbreaks mit hartem Untergrund ist das ein relativ konstanter Faktor, bei Beach-Breaks dagegen formieren sich Sandbänke immer wieder neu.

Gezeitenunterschiede sorgen bei allen Spots dafür, dass unterschiedliche Bereiche des Ufers überspült werden. Die Tiden haben damit ebenfalls einen Einfluss auf die Bildung von Strömungen. Die Stärke einer Strömung hängt davon ab, wieviel Wasser wieder weggeschafft werden muss. Bei größerem Wellengang sind Strömungen also stärker. Die Breite der Strömung beeinflusst die Fließgeschwindigkeit und ist wiederum vom Untergrund abhängig. Je schmaler der Bereich, desto schneller die Strömung.

Arten von Strömungen und woran du sie erkennst

Ablandige Strömungen  
Das Wasser, das reinkommt, muss auch wieder raus. Ablandige Strömungen ziehen dich weg vom Ufer und ins Meer hinaus. Diese Strömungen können auch diagonal verlaufen. Ablandige Strömungen erkennst du daran, dass die Wellen gegen die Strömung nicht richtig oder wiederum sehr stark brechen, weil das Wasser hier tiefer ist. Die Wasseroberfläche ist uneben und manchmal ist ein brauner Schleier von aufgewirbeltem Sand zu erkennen. Andere Surfer nutzen die Ablandige Strömung - oder auch Channel genannt - um ins Line-Up zu kommen.

Querströmungen  
Eine Querströmung verläuft für eine bestimmte Zeit quer zum Ufer. Dann wird aus einer Querströmung eine ablandige Strömung, die das Wasser wieder raus aufs Meer bringt. Querströmungen sind von außen schwer zu erkennen und bemerkt man oft, sobald man knietief im Wasser steht.

Auflandige Strömungen  
Die Auflandige Strömung geht zum Land hin und kommt seltener als die Ablandige und Querströmung vor. Auflandige Strömungen im Line-Up erkennst du daran, dass die Wellen hier weniger brechen und andere Surfer dagegen anpaddeln, um ihre Position zu halten.

Umgang mit Strömungen

Versuche, die Strömungen zu erkennen, bevor du ins Wasser gehst. Bist du dir nicht sicher, wo eine Strömung ist, wo sie dich hinführt oder wie stark sie ist, halte dich lieber fern. Wenn es Anzeichen für sehr starke Strömungen gibt, solltest du im Zweifelsfall nicht ins Wasser gehen, oder dir eine andere Stelle zum Wellenreiten aussuchen. Versuche nicht, gegen eine Strömung anzupaddeln. Wenn du eine Strömung verlassen willst, solltest du immer im rechten Winkel zur Strömungsrichtung paddeln, bis du heraus kommst.